Bericht
Großvenediger 3667 m - Nationalpark hohe Tauern vom 01.08. - 03.08.2014



Bester Laune machten wir uns am Freitag zu viert auf nach Innergschlöß, um den Großvenediger zu besteigen. Unsere Vorfreude wurde erstmals getrübt, als wir in Kitzbühl wegen des ATP-Tennis-Turniers eine Stunde im Stau standen. Mit der entsprechenden Verzögerung erreichten wir den Parkplatz des Matreier Tauernhauses, von dem aus wir uns auf den Weg ins Gschlößbachtal nach Innergschlöß zum Venedigerhaus machten. Dort überquerten wird das Bachbett, dass am Tag davor noch eine einzige Seenlandschaft war. Auf steilen Pfad geht es hinauf zum Gletscherschliff des Schlatenkees und weiter über die "alte Prager Hütte" (2.489 m) zur "neuen Prager Hütte" (2.796 m). Kurz vor der Hütte erwischte uns das angekündigte Gewitter mit Regen, Blitz und Donner. Wohlbehalten erreichten wir die volle Hütte und verbrachten einen ruhigen Abend.
Am nächsten Morgen (6:00 Uhr) folgten wir den Markierungen über Blockgestein bis an den Rand des Schlatenkees. Nach anseilen und Steigeisen anlegen ging es mäßig steil auf dem blanken und spaltenreichen Gletscher in westlicher Richtung weiter. Der schneebedeckte „Buckel“, den man schon von der neuen Prager Hütte aus stets im Visier hat, ist leider noch nicht der Groß-, sondern erst der Kleinvenediger. An ihm geht es südlich vorbei, anschließend passiert man den flacheren Abschnitt der Venedigerscharte, wo von Norden Spuren von der Kürsingerhütte und von Süden Spuren vom Defreggerhaus heraufkommen. Nun wird’s zum Abschluss noch einmal spürbar steiler und die Luft deutlich dünner. Im leichten Zickzack geht’s hinauf zum Gipfelgrat, der zunächst noch recht breit ist, sich aber immer mehr verengt, je mehr man sich dem Gipfelkreuz des Großvenediger nähert. Die letzten 15 Meter sind sehr exponiert. Absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit waren hier von Vorteil, vorallem weil uns etliche Seilschaften entgegen kamen.
Der Lohn der Mühen war um 10:00 Uhr, dass wir den Gipfel nun für uns alleine hatten, leider aber nur eine sehr eingeschränkte Sicht.
Wegen der schlechten Sicht und des für Nachmittag angekündigten neuerlichen Gewitters verzichteten wir auf die mögliche Rundtour zum Rainerhorn und dem Kleinvenediger, sondern machten uns an den Abstieg, bei dem wir noch Gelegenheit hatten einen Spaltensturz (Bruch einer Schneebrücke) abzufangen. Am Rand des Gletschers nutzten wir die kurze Wetterbesserung und übten den Bau von Fixpunkten in Eis und Schnee sowie "lose Rolle" und "Mannschaftszug".
Rechtzeitig vor dem Einsetzen des nächsten Gewitters erreichten wir die neue Prager Hütte. Am nächsten Tag erfolgte der Abstieg über den Gletscherlehrpfad zurück nach Innergschlöß und zum Auto.
Eine herrliche Hochtour mit vielen Höhenmetern und langer Laufstrecke.

Gerd Meier-Gesell
Kletterreferent